Wie oft saß ich nun schon enttäuscht vor meinem aktuellen Craft-Projekt und habe mich gefragt, was ich wohl diesmal wieder falsch gemacht habe. Weil das vor mir nicht ansatzweise so ausschaut, wie ich mir das vorgestellt hatte. Oder weil es irgendwann so frustrierend wurde, dass ich alles einfach nur noch beschämt in die Ecke gestellt habe zum „irgendwann nochmal versuchen“.

Lauter tolle Fotos von dem wunderschönen Craft-Ergebnis in meinem Instagram-Feed und das super einfache 15 min DIY-Youtube-Tutorial hatten mir da etwas komplett anderes versprochen. Einfachheit, Leichtigkeit, Spaß bei der Sache und ein schönes, zufriedenstellendes Ergebnis. Stattdessen Frust, Enttäuschung und schon vorab ein schlechtes Gewissen, weil ich ahne, dass der Haufen nun sehr wahrscheinlich eine Weile unangetastet im Regal einstauben wird.

Ich weiß ja, dass auch bei diesen Bildern jede Menge Inszenierung, das richtige Licht und eine große Portion Bildbearbeitung und Videoschnitt alles schön und einfach aussehen lässt. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass das alles etwas ehrlicher wäre. Mehr Fails, mehr Stolpersteine, mehr „hier könnte es haken, dann könnte es daran liegen“. Ohne all das, ist es für mich und meinen Perfektionismus manchmal echt hart. Und es macht es jedes Mal umso schwerer unbedarft und mit Vorfreude etwas Neues anzufangen oder auszuprobieren. Noch dazu mit all den wartenden, unfertigen Projekthaufen im Hinterkopf.

Dann mache ich jetzt mal einen Anfang. Erst dachte ich, dass ich null Probleme damit hätte, meine Fails zu teilen. Beim Schreiben fiel mir aber nach und nach auf, dass die Fails doch persönlicher sind, als ich gedacht hätte. (Sie zeigen teilweise Dinge auf, die mich an mir selber stören und für die man ungerne auch noch von außen gejudget werden möchte.) Aber mich mal damit auseinanderzusetzen war dafür umso erhellender. Das ist absolut Gold wert. Und wenn sich hier noch jemand weiteres darin erkennt, hat es sich schon doppelt gelohnt (gib gerne Bescheid, wenn du es tust). Deshalb hier jetzt für alle, denen es auch so geht, meine eigenen drei größten Craft- und DIY-Fails:

Fail #1 Flaschen schneiden

Es könnte so schön sein: Ob (schwebende) Teelichthalter, flaschengrüne Trinkgläser oder Vasen aus alten Glasflaschen. Der Enthusiasmus, Weinflaschen zu sammeln ist schnell gesät, ein Schneideset flink  im Internet bestellt und das Youtube-Video mit der Anleitung zum Glas schneiden kommt so leicht daher, dass ich mich ein paar Stunden später schon im Besitz eines wunderbar neuen Gläser-Sets wähnte. Nunja … Nach den ersten drei völlig schief gebrochenen Flaschen, fragte ich mich, ob ich wohl zu optimistisch an das ganze dran gegangen bin und wie ich je eine glatte Kante hinbekommen soll. Und wie ich all diese Unmengen an scharfen Glasteilen galant im Glascontainer entsorgen soll … Denn was Ich ziemlich schnell gelernt habe: geschnitten wird hier nicht wirklich. Es wird lediglich eine Sollbruchstelle ins Glas geritzt. Und dann mit Hitze und Kälte (z.B. abwechselndes kochendem Wasser & Eiswasser) versucht, das Glas genau an dieser Kante entlang zum Springen zu bringen. Nach 15 Flaschen wurde mir klar, selbst bei dem Drittel einigermaßen sauber gebrochener Kanten, muss noch ordentlich nachgeschliffen werden, um eine einheitliche und angenehme Kante zum Trinken zu bekommen. Dabei fällt ein skeptischer Blick auf das mitgelieferte Handschleifpapier. Mit dem man mal anfängt, aber nach kurzer Zeit merkt, das dauert ewig, wird nicht einheitlich, ist super anstrengend und damit kommt man nicht weit. Und sich dann in der Welt der Schleifwerkzeuge und des Diamant-Schleifpapieres verliert. h

Und was ist „Schönes“ dabei herausgekommen: Eine kleine Sammlung einigermaßen sauber gebrochener Flaschen, die noch darauf wartet, geschliffen zu werden. Bis heute. 1x mit umgezogen.

Hier übrigens das super easy Youtube Video dazu. Viel Spaß damit! 😉

Ein Korb voller gebrochener, ziemlich verstaubter Flaschen.
Unvollendete, „geschnittene“ Weinflaschen.

Fail #2 Beton

Was soll ich sagen? Ich liebe Beton. Während meines  Studiums hatte ich schon etwas damit rumexperimentiert, aber da ich keinen geeigneten Platz zum Trocknen und Verarbeiten hatte, hat mich das immer etwas von größeren Projekten, wie dem klassischen Betonhocker und dem Maxi-Blumentopf abgehalten. Jahre später habe ich sogar einen mehrwöchigen Betonkurs bei einer Künstlerin an der VHS Bochum besucht, weil mich das Thema nicht losgelassen hat. Und mehr wissen und ausprobieren ist nie verkehrt, besonders wenn jemand schon viel mit dem Material gearbeitet hat. Oder? Aber was ist „Schönes“ dabei rausgekommen? Eine ausufernde Sammlung an „Oh, das könnte wunderbar als Form fungieren“, einen Stapel irgendwo verschwundener Notizen und 2 inzwischen komplett versteinerte Betonsäcke, die dem zu feuchten Keller zum Opfer gefallen sind. Die übrigens bereits mindestens einmal mit umgezogen sind, weil man die nicht über den Hausmüll entsorgen darf, sondern nur beim Wertstoffhof 🙈 Bilder wären funny

Hast du auch Lust auf Beton? Hier geht’s zu meinem (alten) Pinterest-Betonliebe-Board. Vielleicht kommt ja bei dir mehr raus als bei mir 😉 (falls ja, gib gerne Bescheid!) Und dann steckst du mich vielleicht mit deiner Begeisterung an und hast tolle Tipps für mich?

Ein zu stein gewordener Sack Beton verstaubt im Keller.
Ein zu Stein gewordener Sack Beton verstaubt im Keller.

Fail #3 Anfang und Ende

Beim gedanklichen Durchgehen meiner Projekte und was sich davon für mich als Fail anfühlt, fielen mir ein paar Dinge und ein gewisses Muster auf: Es geht eigentlich immer um das Anfangen und das Beenden. Gehen zwischendurch kleine Dinge schief, bleiben sie mir gar nicht lange im Gedächtnis. Die verschwinden ziemlich schnell wieder. Manchmal auch einfach im Papierkorb. Wenn ich dagegen auf ein konkretes Ziel oder Ergebnis hinarbeite und es ggfls. eine Deadline gibt, finde ich für alles was dazwischen kommt oder schief geht, kreative Mittel und Wege. So entstehen in diesen Kontexten für mich keine Fails, sondern nur neue Lösungen oder Unikate 😉 Generell mache ich gedanklich (oft auch unbewusst) eine Art Aufwand-Nutzen-Rechnung. Steht der zeitliche und materielle Aufwand im Verhältnis zu dem Nutzen des Ergebnis? Durchs Raster fallen damit z.B. potentielle Staubfänger und Gegenstände, die dem real life alias ihrem eigentlichen Nutzungszweck nicht standhalten. Dadurch fange ich auch direkt weniger von den Projekten an, die potentiell als Fails für mich enden könnten. Aber der Anfang und das Ende, puh …

Der Anfang scheitert bei mir oft daran, dass ich zu viele Ideen habe und mit tausend Sachen anfangen könnte oder eben keine „gut genug“ ist. Das heißt, ich kann mich vor lauter Optionen nicht entscheiden und bleibe dann überfordert zurück. Oder bei zweiterem schwingt wieder dieser blöde Perfektionismus mit und wenn ich jetzt schon mit dem neuen Siebdruckrahmen / dem Plotter / dem Linoleum / [füge ein Craft-Werkzeug deiner Wahl ein] loslegen möchte, dann doch bitte nur mit einer richtig, richtig guten Idee. Dazu kommt das Ende, das ich bei manchen Projekten einfach nicht hinbekomme. Da liegen noch Dinge auf Halde, weil es an irgendeiner größeren Stelle haperte, ich aber irgendwie noch nicht bereit bin, das Ganze schon aufzugeben (aus Angst damit dann offiziell zu scheitern vielleicht?). Und so blockieren sie nicht nur meine Regale, sondern auch meinen Hinterkopf. Und jedes Mal, wenn ich denke, ich könnte mal wieder ein schönes kreatives Projekt starten, schaut dieser gedanklich große Berg an unbeendeten Projekten vorbei und bereitet mir instantly ein schlechtes Gewissen und versaut mir die Lust und Vorfreude auf etwas Neues. Kommt dir davon irgendwas bekannt vor?

Ich glaube ich mach da demnächst mal Inventur. Was kann – gedanklich und materiell – weg und worauf habe ich als nächstes so richtig, richtig Lust? Den Kopf frei bekommen, die Regale von alten unfertigen Projekten befreien und wieder Raum schaffen für tolle neue Ideen und die Lust und Leichtigkeit mit etwas anzufangen. Machst du mit?

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